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Der dritte Beit HaMikdasch

Schabbat Kodesch Paraschat Terumá

Moderne Kommentatoren zitieren gerne die folgende Idee aus More Nevuchim von Rambam, dem „Führer der Unschlüssigen“, warum wir jemals angewiesen wurden, Tiere als Opfer im Beit Hamikdasch, dem Tempel in Jerusalem, darzubringen:

„Es war in Übereinstimmung mit der Weisheit und dem Plan G’ttes, wie er sich in der gesamten Schöpfung gezeigt hat, dass Er uns nicht befohlen hat, all diese Arten des Dienstes (die bei den Völkern üblich waren) aufzugeben und abzuschaffen; denn ein solches Gebot zu befolgen, hätte der Natur des Menschen widersprochen, der im Allgemeinen an dem festhält, woran er gewöhnt ist. Aus diesem Grund erlaubte G’tt diese Arten des Dienstes (Opfer) fortzusetzen; Er übertrug sie auf Seinen Dienst, der früher als Anbetung von geschaffenen Wesen und von Dingen, die eingebildet und unwirklich sind, gedient hatte, und befahl uns, Ihm auf dieselbe Weise zu dienen….“ [Führer 3:32]

Die Gelehrten haben unterschiedliche Meinungen über das obige Zitat geäußert. Einige sagen, dass der Rambam selbst seine Meinung später noch einmal überdacht hat. Andere behaupten, dass seine Meinung falsch ist. 

Wie auch immer – wenn wir hier der Meinung des Rambam folgen, warum sollten wir uns auf ein zukünftiges „Beit Hamikdash HaShlishi“, einen Dritten Tempel, beziehen, nachdem wir seit zwei Jahrtausenden keine Korbanot, also Opfergaben, mehr gebracht haben – was in vielen frühen Quellen erwähnt wird, die der Rambam nicht bestreiten wird?

Die Antwort könnte sein, dass wir manchmal (fälschlicherweise) den Schwerpunkt des Beit Hamikdasch als einen Ort sehen, an dem wir unsere Opfer darbringen. Das war offensichtlich ein wichtiger Teil des (ersten und zweiten) Beit HaMikdasch, aber nicht der Schwerpunkt. Das Herz des Beit Hamikdasch war das „Heiligste des Heiligen“. In dem Kodesch haKodaschim wurden keine Korbanot dargebracht. Es war der Ort, an dem die erste, also die zerbrochene, und die zweite Schrifttafel aufbewahrt wurden. So auch der Sefer Tora, der von Mosche Rabeinu selbst geschrieben wurde. 

Im Beit Hamikdasch befand sich auch das Hohe Gericht für alle juristischen Belange. Ein Ort, an dem die heilige und reine Aura den höchsten erfahrenen Richtern half, über die wichtigsten Fragen für Klal Jisrael, dem jüdischen Volk, wie auch über individuelle persönliche Angelegenheiten zu entscheiden.  Im Allgemeinen wissen wir, dass selbst die besten und unabhängigen Gerichte ihre Fehlerquote (bei der Urteilsfindung) mit 10-15% beziffern. 

Innerhalb der Mauern des heiligsten Ortes arbeitete das Justizsystem so nahe an der 100%-Marke, wie es nur möglich sein kann.

Herzliche Grüße und Schabbat Schalom

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

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