Schabbat Kodesch Paraschat Pekudei
Ich habe nie verstanden, warum es wichtig war, Tausende von Jahren nach dem Geschehen kostbare „Tora-Zeit“ auf die Gesamtabrechnung und „Bilanz“ der Spenden und Ausgaben für das „Projekt Mischkan“, den Bau der Stiftshütte, zu verwenden. Die traditionellen Tora-Kommentatoren haben tatsächlich sehr wenig über den zweiten Teil der Parascha dieser Woche zu erklären. Im Grunde handelt es sich um eine Buchhaltungsübung. Natürlich gibt es immer viel tiefere – kabbalistische und anspruchsvolle – Wege, jeden Buchstaben der Tora zu lernen, aber es muss auch eine „einfache Interpretation“ geben.
Vor mehr als 30 Jahren vertraute mir jemand, den ich gut kannte, an, ihm bei der Regelung eines großen Teils seiner finanziellen Angelegenheiten zu helfen. Es war eine große Aufgabe, aber ich war glücklich, dieser Person, die ich sehr mochte, zu helfen. Und die Erfahrung, die mir dadurch zuteil wurde, war für mich sehr wichtig. Nach kurzer Zeit kam ein Freund dieses Mannes auf mich zu und begann, mir aufdringliche Fragen über mein Verhalten zu stellen. Er hatte kein Recht dazu, behauptete aber, sich um das Vermögen seines Freundes zu kümmern. Ich war schockiert und verblüfft. Ich tat hier etwas, was sonst niemand tun wollte, mit dem vollen Vertrauen der betroffenen Person, und dieser Kerl hat die Chuzpe, mein Verhalten in Frage zu stellen. Ich wehrte mich und weigerte mich, ihm Auskunft zu geben. Der Mann behielt seine Abneigung gegen mich – bis heute.
Wir lernen im Midrasch, dass der ausführliche und detaillierte Bericht, den Mosche Rabeinu dem Volk gab, nicht ohne Grund erfolgte. Es gab eine kleine, aber laute Stimme, die Mosche Rabeinus Integrität im Umgang mit der riesigen Menge an Spenden in Frage stellte. Mosche Rabeinu – der größte Prophet. Und die Person, die G’tt als
לֹא־כֵ֖ן עַבְדִּ֣י מֹשֶׁ֑ה בְּכׇל־בֵּיתִ֖י נֶאֱמָ֥ן הֽוּא׃
„Nicht also mein Knecht Mose, in meinem ganzen Hause [unter allen die mir dienen] ist er bewährt.“ beschrieben hatte. Außerdem – all das Gold und Silber, das die Kinder Israels in ihrem Besitz hatten (und von dem sie gespendet haben), wurde durch Mosche Rabeinus Führung erhalten, als er sie aus Ägypten herausführte. Er hätte also absolut Recht gehabt, wenn er etwa gesagt hätte: „Ich wurde von G’tt beauftragt, dieses Projekt zu leiten, und ich habe keine Pflicht, auf die schamlosen Anschuldigungen zu antworten“.
Aber Mosche Rabeinu hat nicht so geantwortet, wie es ihm zustand. Er hat eine detaillierte, auf den Cent genaue Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben des „Mischkan-Projekts“ gewährt. Denn er war nicht nur der große Anführer.
Er war auch:
וְהָאִ֥ישׁ מֹשֶׁ֖ה עָנָ֣ו מְאֹ֑ד מִכֹּל֙ הָֽאָדָ֔ם אֲשֶׁ֖ר עַל־פְּנֵ֥י הָאֲדָמָֽה׃
„Der Mann Mose war sehr sanftmütig, mehr als irgendein Mensch auf dem Erdboden“.
Was für eine wichtige Lektion zum Thema „Tora-Zeit“.
Schabbat Schalom und beste Wünsche
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld
