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Reb Yaakov (Yankele) Vignansky ז“ל

In der großen Synagoge in München beteten man jeden Tag im Morgengrauen, um halb sieben. Die meisten Gläubigen waren sozusagen „Absolventen“ der Vernichtungslager, deren Familien zum großen Teil im Holocaust ermordet wurden. An Feiertagen, bei „Yiskor“ sagten fast alle Gläubigen (es waren noch mehrere Hunderte) in großer Aufregung gemeinsam Kaddisch.

Zu denen, die regelmäßig zum Gebet kamen, gehörte der verstorbene Reb Yaakov (Yankele) Vignansky. Ein lieber und freundlicher Jude. Reb Yankele kam pünktlich zum Gebet, begann aber, über das Leben vor dem Krieg in dem Städtchen, in dem er geboren wurde, und in „Cheider“, wo er als Kind lernte und über die Menschen, die er kannte – und die nicht mehr da waren, zu erzählen.  

Mein Vater זצ“ל– der damalige Rabbiner von München – würde den Beginn des Gebets hinauszögern und sagen: „Zuerst werden wir hören, was Reb Yankele sagt – und erst wenn auch er zum Gebet bereit ist – werden wir mit dem Gebet beginnen.“ 

Ich fragte Vater – warum verzögerst Du das Gebet jeden Tag um ein paar Minuten – nur um Reb Yankeles Worte über sein Städtchen zu hören?

Seine Antwort blieb für immer in meinem Herzen verankert: „Reb Yankele vergisst keinen Moment, was dem Volk Israel in den Jahren des Zorns widerfahren ist. Jeden Morgen – wenn er die Synagoge betritt, überkommt ihn ein Gefühl von Schmerz und großer Trauer.“  Aber sofort kommt er zur Besinnung, und indem er uns alle an die Vergangenheit erinnert, bereitet er sich – und uns – darauf vor, für die Gegenwart und die Zukunft zu beten …

Möge die Erinnerung an Reb Jakob gesegnet sein und zusammen mit allen Heiligen des Volkes Israel möge  das Recht des Volkes Israel im Land Israel bestehen, vor all unseren mörderischen Feinden, die uns mit der Zerstörung drohen, gerettet zu werden.

Beste Grüße und Wünsche und Schabbat Schalom

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

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