Den Schabbat „machen“… Paraschat Wajakhel–Pekude

Unsere Parascha beginnt mit einem Gebot:

„Und Mose versammelte die ganze Gemeinde der Kinder Israel und sprach zu ihnen: Dies sind die Dinge, die der Ewige geboten hat, sie zu tun.“

וַיַּקְהֵ֣ל מֹשֶׁ֗ה אֶת־כׇּל־עֲדַ֛ת בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֑ם אֵ֚לֶּה הַדְּבָרִ֔ים אֲשֶׁר־צִוָּ֥ה ה׳ לַעֲשֹׂ֥ת אֹתָֽם׃
(שמות ל״ה:א)

Dann fährt er fort und erklärt, dass der Schabbat als vollständiger Ruhetag gehalten werden soll und jede (schöpferische) Arbeit zu unterlassen ist.

Im Grunde geht es bei diesem Gebot also weniger darum, was zu tun ist, sondern vielmehr darum, was nicht zu tun ist.

Noch deutlicher wird dies in der Parascha der vergangenen Woche. Der berühmte Vers – mit dem wir am Schabbatmorgen den Kiddusch beginnen – lautet:

וְשָׁמְר֥וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל אֶת־הַשַּׁבָּ֑ת לַעֲשׂ֧וֹת אֶת־הַשַּׁבָּ֛ת לְדֹרֹתָ֖ם בְּרִ֥ית עוֹלָֽם׃
(שמות ל״א:ט״ז)

„Die Kinder Israel sollen den Schabbat bewahren, um den Schabbat zu machen.“

Daraus wird deutlich, dass wir nicht nur von Arbeit am Schabbat absehen sollen, sondern auch etwas Positives tun sollen.

Was ist damit gemeint?

Moses Mendelssohn, die führende Gestalt der jüdischen Aufklärung (Haskalá), führte ein komplexes gesellschaftliches Leben, das strenge traditionelle jüdische Praxis mit der intellektuellen Elite der deutschen Aufklärung verband. Obwohl Mendelssohn den Schabbat strikt einhielt, war sein Haus im Berliner Nikolaiviertel ein lebendiger, offener Ort, an dem sich intellektuelle Persönlichkeiten – oft Nichtjuden – zum Freitagabendessen einfanden, etwa Lessing und gelegentlich sogar Immanuel Kant. Bekanntlich konvertierten vier von Mendelssohns Kindern zum Christentum.

Mendelssohn vermied es, die Gesetze des Schabbats zu verletzen – doch möglicherweise vermied er auch, den Schabbat wirklich „zu machen“. Familien, deren Kinder erleben, wie ihre Eltern eine Neschama, eine „Seele“, eine besondere Atmosphäre, schaffen, bleiben viel eher mit dem Schabbat verbunden – und damit auch mit Tora und Mizwot.

Wenn wir uns genügend Gedanken über unseren Familien-Schabbat machen, schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass kommende Generationen diese Verbindung bewahren. Wenn wir jedoch diesen wichtigen Teil des Schabbat Kodesch versäumen und den Schabbat nur als einen Tag verstehen, an dem man Dinge nicht tun darf, dann verlieren wir die Neschama des Schabbats.

En bloßer „fröhlicher Tag“, nur durch das Unterlassen von Arbeit, wird sicher ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

Erst die Symbiose beider Elemente – des „Tu“ und des „Tu nicht“ – schenkt uns den vollen Segen des Schabbat Kodesch.

Herzliche Grüße und Schabbat Schalom
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld