Schawuot – Tora und Käsekuchen?

Wir finden im Talmud eine interessante Diskussion über die jüdischen Feiertage im Allgemeinen. Wie sollte ein Mensch den Feiertag gestalten? Sollte er ganz G’tt gewidmet sein – durch Lernen und Gebet – oder sollte ein Teil auch den natürlichen menschlichen Bedürfnissen und, ja, auch körperlichem Genuss gewidmet sein?

Doch in Bezug auf Schawuot herrscht Einigkeit: An Schawuot muss es auch körperlichen Genuss geben. Warum ist das so? Wenn es einen Tag geben sollte, der rein geistig-spirituell ist, dann müsste es doch Schawuot sein. Dies ist der Tag der Tora, der Tag des Berg Sinai. Man könnte meinen, wir sollten einfach ohne Unterlass lernen und beten.

Vielleicht liegt hier ein außerordentlich wichtiger Punkt.

G’tt hat uns die Tora nicht gegeben, damit wir dem Leben entfliehen. Er hat uns die Tora gegeben, um das Leben zu erheben. Die Tora ist nicht dazu bestimmt, einem Menschen die Freude zu nehmen. Die Tora lehrt den Menschen, wie man richtig lebt, gesunde Ehen und Familien aufbaut, echte Beziehungen pflegt, ehrliche Arbeit führt und mit einem höheren Gefühl von Heiligkeit lebt.

G’tt möchte, dass wir Seine Welt auf die richtige Weise genießen. Und genau deshalb wird an Schawuot selbst körperlicher Genuss Teil der Mizwa. Selbst der Käsekuchen wird zu einem Symbol. Die Tora soll das Leben mit Süße erfüllen.

Chag Sameach und Schabbat Schalom

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld