Es wird morgen schneien… Schabbat Kodesch – Paraschat Chukat–Balak

Das gegenwärtige Wetter hat meiner von der Hitze geplagten Fantasie die folgende Geschichte in Erinnerung gerufen …

Es gibt eine bekannte rabbinische Geschichte, mit der Rav Chaim Soloveitchik זצ“ל in Verbindung gebracht wird.

Immer wenn die korrupten russischen Minister damit drohten, seine Jeschiwa zu schließen, griffen die Verantwortlichen zu der damals üblichen Methode und bestachen sie, damit sie von ihrem Vorhaben absahen.

Diesmal jedoch war ein neuer Unterrichtsminister ins Amt gekommen, der den Ruf hatte, keinerlei Bestechungsgelder anzunehmen. Dieser Mann war vollkommen unbestechlich. Die Leitung der Jeschiwa geriet in große Sorge.

„Dieser Minister wird kommen, feststellen, dass wir keine russischen Fächer unterrichten, und er lässt sich nicht bestechen. Was sollen wir nur tun?“

Rav Chaim sagte ruhig:

„Macht euch keine Sorgen. Ich werde mich um den Minister kümmern.“

Mitten im Juli erschien Rav Chaim im Ministerium – bekleidet mit einem schweren Pelzmantel, als wäre mitten im Januar.

Der Minister sah ihn verwundert an und fragte:

„Rabbi, warum sind Sie heute so angezogen?“

Rav Chaim antwortete:

„Meine verstorbene Mutter erschien mir vergangene Nacht im Traum und sagte mir, dass die Temperatur morgen um vierzig Grad fallen wird und wir zehn Grad unter Null haben werden.“

Der Minister lächelte und sagte:

„Bei allem Respekt vor Ihrer seligen Mutter – ich versichere Ihnen, dass dies mitten im Juli ganz sicher nicht geschehen wird.“

Rav Chaim blieb dabei:

„Meine Mutter hat es mir gesagt. Genau so wird es kommen.“

Der Minister war noch erstaunter, als Rav Chaim hinzufügte:

„Ich bin sogar bereit, Geld darauf zu wetten.“

„Ich wette mit Ihnen um hundert Rubel, dass die Temperatur morgen um vierzig Grad fällt und zehn Grad unter Null erreichen wird.“

Der Minister nahm die Wette freudig an.

Am nächsten Tag erschien Rav Chaim erneut. Draußen herrschten unverändert dreißig Grad.

Rav Chaim sagte:

„Es ist das erste Mal überhaupt, dass meine selige Mutter mich enttäuscht hat.“

Er übergab dem Minister die hundert Rubel.

Danach kehrte Rav Chaim zur Jeschiwa zurück und sagte voller Zuversicht zur Verwaltung:

„Den Unterrichtsminister habe ich jetzt in der Tasche.“

Rav Chaim verstand, dass ein Mensch in dem Augenblick, in dem er Geld annimmt, innerlich nicht mehr derselbe bleibt – genau wie die Tora es lehrt. Sobald die Tora feststellt, dass die Haltung eines Menschen gegenüber demjenigen verändert wird, von dem er Geld angenommen hat, handelt es sich um ein unveränderliches geistiges Gesetz, das selbst den ehrlichsten Menschen der Welt beeinflusst.

Vielleicht wird es morgen tatsächlich schneien.

Ich jedenfalls werde nicht darauf wetten …

Schabbat Schalom und beste Wünsche

Rabbi Chaim Michael Biberfeld