Der 5. Schewat dieses Jahres 5784 markiert die 25. Yahrzeit meines Vaters Rav Pinchas Biberfeld זצ „ל.
Seine Levaya, die Beerdigung, die in London begann und auf dem Ölberg –
Jerusalem – endete, machte einen kurzen Halt in Tel Aviv, vor dem Beith Hamedrash, den er viele Jahrzehnte zuvor gegründet hatte.
An diesem Punkt äußerte Rav Yizchak Halberstadt, der Cousin meines Vaters, den Wunsch, einige Worte der Trauerrede zu halten. Die Geschichte, die er uns erzählte, werde ich nie vergessen:
Der junge Yitzchak verließ Berlin erst im allerletzten Moment, als er es noch konnte. Er hatte eine hochbetagte Mutter, die nicht von hier weg konnte, und er blieb bei ihr, so lange er nur konnte. Er versuchte, nach Eretz Israel zu gelangen, wurde aber unterwegs aufgehalten und von der britischen Mandatsmacht nach Australien deportiert. Schließlich gelang es ihm 1941, nach Eretz Jisrael zu kommen.
Dort traf er sich mit meinem Vater und erzählte Rav Pinchas, dass er eine Arbeit finden und genug Geld verdienen wolle, damit er „am Ende des Krieges nach Europa zurückkehren und seine Mutter suchen könne“ ….
Mein Vater sagte ihm, dass niemand wisse, wie lange der Krieg andauern würde, und dass es unmöglich sei, den Ausgang vorherzusagen. Er riet Yitzchak, in die Yeshivat Hebron (in Jerusalem) einzutreten und sich in die Fortsetzung seiner Tora-Ausbildung zu vertiefen, anstatt „irgendeinen Job“ anzunehmen.
Yitzchak befolgte den Rat meines Vaters und studierte tatsächlich nicht nur in Hebron, sondern wurde ein bekannter Gelehrter und leitete später eine angesehene Gemeinde in Bnei Brak.
Jetzt kommt der erstaunliche Teil dieser Geschichte:
1960 erhielt Rav Yitzchak per Post einen Umschlag, adressiert an „Itzchak Halberstadt. Palästina“ – der Brief hatte einen Poststempel aus Berlin aus dem Jahr 1942, und die israelische Postbehörde dachte wohl, es könnte sich um einen wichtigen Brief handeln…
In diesem Brief schreibt Rosa Halberstadt an ihren einzigen Sohn Yitzchak, dass sie jetzt in ein Konzentrationslager deportiert wird und ihn wahrscheinlich nie mehr sehen werde. Sie habe nur eine Bitte an ihren Sohn: „Bitte geh zum Studium an eine Jeschiwa, wo du dein Torawissen vertiefen kannst“. Dies war ihr letzter Wille.
Rav Halberstadt schloss seinen emotionalen Nachruf mit den Worten: „Danke, mein lieber Cousin Pinchas, dass du mir 1941 diesen Rat gegeben hast…“
Die besten Wünsche und nur Simchas.
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

