In der Parscha dieser Woche verliert Mosche Rabeinu sein Einreisevisum für das Heilige Land, das er sein ganzes Leben lang anstrebte, insbesondere nachdem er sein Volk vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt hatte. Wir lesen am Schabbat:
וַיֹּ֣אמֶר יְהֹוָה֮ אֶל-מֹשֶׁ֣ה וְאֶֽל-אַהֲרֹן֒ יַ֚עַן לֹא-הֶאֱמַנְתֶּ֣ם בִּ֔י לְהַ֨קְדִּישֵׁ֔נִי לְעֵינֵ֖י בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל לָכֵ֗ן לֹ֤א תָבִ֙יאוּ֙ אֶת-הַקָּהָ֣ל הַזֶּ֔ה אֶל-הָאָ֖רֶץ אֲשֶׁר-נָתַ֥תִּי לָהֶֽם׃
„G’tt sprach zu Moses und zu Aaron: Weil ihr nicht an mich geglaubt habt, um mich zu verherrlichen vor den Augen der Kinder Israel, deswegen sollt ihr diese Versammlung nicht bringen in das Land, das ich ihnen gebe.“
Der Vers gibt nicht an, was ihr Fehler war, aber Raschi erklärt, dass das Schlagen des Felsens der Grund war, warum sie ihren Traum, nach Eretz Jisrael zu gehen, aufgeben mussten.
Raschi führt weiter aus:
להקדישני. שֶׁאִלּוּ דִּבַּרְתֶּם אֶל הַסֶּלַע וְהוֹצִיא, הָיִיתִי מְקֻדָּשׁ לְעֵינֵי הָעֵדָה, וְאוֹמְרִים מַה סֶּלַע זֶה שֶׁאֵינוֹ מְדַבֵּר וְאֵינוֹ שׁוֹמֵעַ וְאֵינוֹ צָרִיךְ לְפַרְנָסָה מְקַיֵּם דִּבּוּרוֹ שֶׁל מָקוֹם, קַל וָחֹמֶר אָנוּ:
להקדישני „MICH ZU HEILIGEN – Denn hättest du zu dem Felsen gesprochen und er hätte Wasser hervorgebracht, so wäre ich vor der ganzen Gemeinde geheiligt worden, denn sie hätten gesagt: Was ist mit diesem Felsen, der nicht sprechen und nicht hören kann und keine Pflege braucht? Er erfüllt das Gebot des allgegenwärtigen G’ttes! Wie viel mehr sollten wir das tun?“
Die Erklärung lässt uns immer noch mit der folgenden Frage ratlos zurück: „Ist das Wunder eines einfachen Steins, der von einem Stock getroffen wird und dann Wasser für eine Million Menschen liefert, kleiner, als wenn der Stein auf eine „mündliche Bitte“ reagiert hätte? Was macht den Unterschied aus, der dazu führt, dass Mosche Rabeinu sein Recht verliert, in das Land Israel zu ziehen?
Vielleicht ist es das:
Das jüdische Volk hat die härtesten Zeiten durchlebt, zunächst während der Sklaverei in Ägypten und dann die vierzig Jahre in der Wüste. Diese Bedingungen führen natürlich dazu, dass alle Beteiligten zäh und abgehärtet werden. Es ist eine notwendige natürliche Reaktion auf die Umgebung. Die Annäherung an das, was eine dramatische Veränderung im Leben des Volkes sein sollte. Als es sich in einem „normalen Lebensraum“ niederließ, wies G’tt Mosche an, mit dem Felsen zu sprechen und so das Volk zu lehren, dass eine Zeit bevorsteht, in der wir unseren Status von einer „nomadischen“ zu einer „normalen“ Nation ändern werden. Dies beinhaltet eine Umstellung vom „Schlagen“ zum „Reden“ – als allgemeine Verhaltensmethode. Durch das Schlagen auf den Felsen wurde ein wichtiger erzieherischer Punkt verpasst, und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir auch heute noch die raue Methode bevorzugen.
Lasst uns miteinander reden…
Herzliche Grüße und Schabbat Schalom.
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

