Parschat Schemot: Die Folgen von Ssinat chinam – der sinnlose Hass

Moshe Rabeinu verbrachte  seine Jugend in der geschützten Burg des Pharaos. In dieser  Woche lesen wir über seine erste Begegnung mit der Realität der „Außenwelt“. Am zweiten Tag sah er zwei streitende jüdischen Männer und er sagte zu dem Bösen von ihnen:  „Warum willst du deinen Freund schlagen?“ Der Mann antwortete: „Wer hat dich zu einem Mann, einem Fürsten und einem Richter über uns gemacht? Hast du denn vor, mich zu töten, wie du den Ägypter erschlagen hast?“ Mosche erschrak und sagte: „Die Sache ist tatsächlich bekannt geworden!“ (Schemot 2. 13,14)

Interessanterweise fügt Rashi den Worten „Die Sache ist tatsächlich bekannt geworden!“  einige „Hintergrundinformationen“ hinzu. Die Sache“, sagt Rashi, war etwas, worüber sich Mosche Rabeinu fragte, wieso die Israeliten als sündhafter angesehen werden als alle siebzig Nationen der Welt,  so dass sie durch Knochenarbeit unterjocht werden? Da Mosche jetzt selbst gesehen hat, welchen Hass der eine gegen den anderen hegte ist ihm klar geworden, dass sie es tatsächlich verdienen.

Einfache Frage: Wieso schloss Moshe Rabeinu aus der Tatsache, dass zwei Personen miteinander kämpften   dass die Israeliten deshalb bestraft werden? Das ist doch keine relevante Größenordnung für eine derartige Schlussfolgerung.

Vielleicht liegt hier die Erklärung: Moshe Rabeinu hat sehr verstört was er gesehen hatte. Wieso leiden die Israeliten ist die Frage? Als er bei seinem zweiten Ausflug in die Außenwelt den rohen Hass zwischen den beiden Israeliten sah, wurde ihm klar, dass es kein Zufall ist, dass er jetzt auf diesen Vorfall stößt. Um weitgehenderes  daraus zu schließen war dieser einzelne Vorfall irrelevant. Aber Moshe Rabeinu erkannte vielmehr, dass es sich um eine g’ttliche Nachricht an ihn handelte: „Hier ist die Antwort auf deine Frage. Die Art und Weise, wie sie (im Allgemeinen) miteinander umgehen, ist der Grund für ihr Leiden“. Es war diese Botschaft, die Moshe Rabeinus  Mitgefühl für  das Leiden seines Volkes in den kommenden Jahren bestimmen sollte…

Und tatsächlich, ich glaube, dass diese Art von „Botschaft“ etwas ist, was wir alle von Zeit zu Zeit selbst erleben!

Schabbat Schalom

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld