Ehrliche Suche  – Schabbat Parschat Jitro

פרשת יתרו, יח,א:
וַיִּשְׁמַע יִתְרוֹ כֹהֵן מִדְיָן, חֹתֵן מֹשֶׁה, אֵת כָּל-אֲשֶׁר עָשָׂה ה‘ לְמֹשֶׁה, וּלְיִשְׂרָאֵל עַמּוֹ:  כִּי-הוֹצִיא ה‘ אֶת-יִשְׂרָאֵל, מִמִּצְרָיִ

„Jetzt hörte Mosches Schwiegervater, Jitro, der Priester von Midian, alles, was G‘tt für Mosche und sein Volk Israel getan hatte, dass Hashem Israel aus Ägypten geführt hatte.“

Die Torah beschreibt Jitro erstens als Schwiegervater von Moshe Rabeinu und zweitens als  Priester von Midian.

Wir verstehen wohl, dass Jitro als Schwiegervater von Mosche Rabeinu erwähnt wird. Aber wieso hier erwähnen, dass Jitro der „Priester von Midian“ ist, von einer augenfällig götzenanbetenden Nation? Es gibt offensichtlich einen Grund  beide Angaben ganz am Anfang der Parascha, die Jitros Ankunft beschreibt, zu erwähnen.

Ich erinnere ich mich an einem Gespräch, das ich als Jugendlicher  mit meinem Vater  זצ“ל zum Thema der  israelischen „antireligiösen“ Parteien führte. Ich sagte traurig: „Wie könnten sie irgendwie  jemals zu unserer Tradition zurückkehren?“ Die Antwort meines Vaters war, dass er in gewisser Weise mehr um die „desinteressierten“ oder ahnungslosen Menschen besorgt als um die „Anti“-Gruppen ist. Die „Anti“-Leute, sagte er, interessieren sich ja für Jüddischkeit, sie reiben sich an sie, und deshalb könnten sie (oder einige von ihnen)  früher oder später wieder zurückfinden. Wer aber an Religion völlig desinteressiert ist, bei dem wird es weniger wahrscheinlich sein,  Anschluss  an unseren Werten wiederzufinden.

Die Thora beschreibt die beiden wichtigen Motive die Jitro dazu brachten, zu kommen. Erstens, er war ein ehrlicher Priester. Ein Mensch auf der Suche nach der Wahrheit. Das zweite Motiv war seine enge Beziehung zu seinem Schwiegersohn, der inzwischen Anführer des Volkes Israel war.

Bei unserer  Suche nach der Wahrheit  zu einem jeweiligen Thema sollten wir den Jitro-Richtlinien folgen: 1. Suchen Sie sie selbst und  2. sehen Sie, wer sonst noch da ist. Die Kombination aus unserem eigenem Urteilsvermögen und dem Umgang mit den anderen, die wir respektieren und bewundern, das ist eine gesunde Art der Entscheidungsfindung.

Schabbat Schalom!

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld