„Ihr wisst doch: Ein Fürst und ein großer Israels ist an diesem Tage gefallen“

Montag, 4. Tamus  5659 / 12. Juni 1899 um 09:25 Uhr, Berlin C2, Gipsstraße 12a: Zum Ableben  von Rabbiner Dr. Esriel Hildesheimer זצוק“ל,  Oberhaupt der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin, Gründer und erster Rektor des Rabbiner-Seminars zu Berlin, berichtete „Die Jüdische Presse“ am 22. Juni 1899 aus der Trauerfeier in der Synagoge Adass Jisroel:

(…) Als Erster betrat die Kanzel Rabbiner Professor Abraham Berliner, um zunächst den Psalm XVI  vorzutragen und sodann namens der Verwaltung der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel dem heimgegangenen Oberhaupt Worte des Nachrufs zu widmen.

Die Empfindungen des Dozenten-Kollegiums  sowie  den Dank des Kuratoriums des Rabbiner-Seminars überbrachte Rabbiner Dr. S.  Aviezri Auerbach aus  Halberstadt.

Den Dank des Rabbinats und der Vereine der Adass Jisroel  trug mit ergreifenden Worte Rabbinats-Assessor Dr. Eduard Chaim Biberfeld vor, der auch vor geöffneter heiliger Lade das El mole rachamim Gebet sprach. Sodann  wurde die Bahre aus dem G’tteshaus durch das Spalier bildende Trauergefolge nach dem Leichenwagen getragen  und der unübersehbare Kondukt setzte sich in Bewegung. Dem Wagen voran schritten die Schüler der obersten Klassen der Religionsschule, dann die Hörer des Rabbiner-Seminars; den Leidtragenden schlossen sich zunächst die Rabbiner und die Gemeinde-Vertretungen und dann wohl nahezu zweitausend Personen an, die zumeist sämtlich, trotz des strömenden Regens, den nahezu zweistündigen Weg zu Fuß zurücklegten. In fast allen Straßen, durch  welche der Zug sich bewegte, stockte der Wagenverkehr und Gruppen von Männern und Frauen umstanden die Trottoire; in der Gipsstraße waren die Geschäftsläden geschlossen. (…)