Heute – Schabbat Kodesch Parschat Nitzavim

Wir lesen diese Woche Parschat Nitzavim. Diese Parscha wird immer am letzten Schabbat des Jahres gelesen.

Mir ist eine ungewöhnliche Wiederholung eines bestimmten Wortes aufgefallen, sowohl in der Parscha von letzter Woche (Ki Tavo) als auch in dieser Woche – Nitzavim. Das Wort „Heute“. Es kommt in verschiedenen Zusammenhängen öfter vor als in allen anderen Parschiot der gesamten Tora. Dafür muss es einen Grund geben!

Viele von uns (auch ich!) versuchen gerne, ihre eigenen Unzulänglichkeiten anzugehen, wenn wir uns dem neuen Jahr nähern (ich meine keine Diät, wie im bürgerlichen Neujahr…) Warum haben die meisten Dinge, die wir uns vornehmen, keine lange „Haltbarkeit“ und halten nicht über Sukkot hinaus?

Vielleicht soll uns die ungewöhnliche Wiederholung des Wortes „Heute“ lehren, wie bedeutsam es ist, etwas Wichtiges niemals aufzuschieben. Das Gegenteil der Redewendung   „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“ ist ja „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Und wenn wir etwas ändern wollen, sollten wir es heute, nicht „nächste Woche“ tun.

Mein Vater זצ“ל  pflegte seine fertiggestellten Briefe gleich, sogar um Mitternacht, zum nahe gelegenen Briefkasten zu bringen. Ich fragte ihn einmal: „Die Post wird den Briefkasten nicht vor 8 Uhr morgens leeren, und zu diesem Zeitpunkt bist du schon sowieso auf dem Weg zur Synagoge da vorbeigekommen. Warum denn dann so spät in einer eiskalten Nacht (bei minus 15°) noch herausgehen?“ Daraufhin antwortete er: „Deine Logik stimmt zwar, sie wird aber von der Faulheit motiviert…!“ (Oje, und er hatte Recht…)

Shabbat Shalom und Shana Tová!

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld