Mosche Rabeinu, der einflussreichste Leader, den unser Volk je hatte, würde sich aus heutiger Sicht nicht als nationaler politischer Leader qualifizieren.
Seine Antwort auf G’ttes Anordnung:
וְעַתָּ֣ה לְכָ֔ה וְאֶֽשְׁלָחֲךָ֖ אֶל־פַּרְעֹ֑ה וְהוֹצֵ֛א אֶת־עַמִּ֥י בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל מִמִּצְרָֽיִם׃
„So komm, ich will dich zum Pharao schicken, und du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten befreien.“ – war, dass er dies ablehnte.
Nicht einmal, nicht zweimal. Er lehnte das Ansinnen viermal ab! Zuerst mit der Begründung, die Israeliten würden nicht glauben, dass er auserwählt sei, sie zu führen. Später rechtfertigte er seine Ablehnung damit, dass seine Sprache „langsam“ sei.
Was war der wahre Grund?
Im Laufe dieses „Gesprächs“ stellt sich schließlich heraus, dass das eigentliche Problem Mosche Rabeinus Sorge war, dass Aharon, der ältere Bruder, neidisch sein könnte.
Erst als G’tt ihm versichert, dass Aharon glücklich sein wird, nimmt er den Auftrag an. (Wie weit weg von der heutigen Politik…)
Ziemlich erstaunlich. Offensichtlich wusste Mosche Rabeinu, was auf dem Spiel stand: die Rettung des Volkes Israel aus der schrecklichsten Sklaverei unter dem mörderischen Regime Ägyptens. War das nicht ein absoluter Vorrang vor dem, was sein älterer Bruder fühlen könnte (oder auch nicht)? Und schließlich ist G’tt die ultimative Quelle für Ethik und moralisches Verhalten. Geht die Anweisung G’ttes also nicht über eine persönliche Angelegenheit des älteren Bruders hinaus?
Mag sein. In der Tat war die Erlösung des Volkes Israel von größter Bedeutung, und die möglichen Auswirkungen auf eine einzelne Person mussten dabei außer Acht gelassen werden. Aber der Punkt, den Mosche Rabeinu machte, war, dass er es einfach nicht tun konnte. Seine Liebe und Zuneigung zu seinem älteren Bruder würde ihn geistig und sogar körperlich daran hindern, diese Aufgabe zu erfüllen.
Und genau das könnte der Grund gewesen sein, warum Mosche zum ersten Anführer von Am Jisrael ausgewählt wurde.
Ausgehend von einem Passuk aus den Sprüchen der Väter beschreiben unsere Weisen Mosche Rabeinu als חכם לב – „Ein Mann, dessen Herz weise ist“.
Beste Wünsche und Schabbat Schalom
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

