An diesem Schabbat lesen wir über eines der (wenn nicht sogar das größte) Missgeschick unserer Vorväter auf ihrer Wanderung von Ägypten in das Land Israel.
Die Expedition der zwölf “ Kundschafter “ ging furchtbar schief. Sie kehrten von ihrer „Tour de Israel“ zurück, und zehn der zwölf Kundschafter rieten dem Volk davon ab, in das verheißene Land zu ziehen. Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, warum es ihnen so schnell gelang, das Volk vom Weiterziehen abzuhalten. Aber Tatsache ist, dass
וַיֹּאמְר֖וּ אִ֣ישׁ אֶל־אָחִ֑יו נִתְּנָ֥ה רֹ֖אשׁ וְנָשׁ֥וּבָה מִצְרָֽיְמָה׃
Und sie sagten zueinander: „Lasst uns nach Ägypten zurückkehren“.
Ein sehr plötzlicher Sinneswandel, der offenbar von der ganzen Nation geteilt wurde (außer vielleicht von den Leviim, aus dem Stamm Levi).
Die tragische Folge davon war die schwere Strafe, dass sie den versprochenen Einzug in die neue Heimat um nicht weniger als vierzig Jahre verzögern mussten. Wie lautet also die angemessene Lösung? Man hätte denken können, dass ein Tag des Gebets oder des Fastens die Strafe abmildern könnte. Nein – stattdessen beschließt (ein Teil) von Am Jisrael, noch einmal eine Kehrtwende zu machen und doch noch ins Land Israel zu ziehen. Mosche Rabeinu warnt sie, dass sie die Gelegenheit verpasst haben, und diejenigen, die darauf bestanden haben, haben versagt. Gestern hätten sie alles haben können, aber sie haben es abgelehnt. Jetzt wollen sie es, aber ein wenig zu spät. Sehr ärgerlich für die große Menge, die ihr eigenes Schicksal so schlecht gemeistert hat.
Warum heute darauf zurückkommen?
Weil die Tora kein Geschichtsbuch ist. Sie ist dazu da, uns zu zeigen, wie riskant es ist, unüberlegt zu handeln, wenn man vor einer wichtigen Entscheidung steht. Heutzutage ist es so üblich, sich von einer momentanen Fehlinformation beeinflussen zu lassen und eine sofortige Entscheidung zu treffen, bevor man sie durchdacht hat. Genauso häufig ist die Reue, die bald darauf kommt, wenn klar wird, dass es die falsche Entscheidung war, aber der Zug verpasst wurde…
Dies ist nicht nur eine Lektion auf nationaler Ebene, sondern vermittelt mir als Einzelperson eine starke Botschaft: Keine unüberlegten Entscheidungen. Berechne logisch und entscheide, mit G’ttes Hilfe, -gut.
Herzliche Grüße, Chodesh Tamuz tov und Shabbat Shalom
Rabbiner Chaim Michael Biberfeld

