Dvar Torah zum Wochenabschnitt „Toldot“

Der Begriff „Freudscher Versprecher“,  ist nach dem jüdischen Wiener Psychologen  Professor Sigmund Freud benannt.

Tatsächlich könnte der Begriff mehr als ein Jahrhundert zuvor vom verehrten Rabbi Eliyahu, der Gaon von Wilna geprägt worden sein:

Was ist gemeint?

Wie wir wissen (und diese Woche lesen werden), hatte Rivka Imeinu Yaakov angewiesen, sich als Esav auszugeben – um den Segen von Yitzchak zu erhalten.

Yaakov hört seiner Mutter zu und sagt dann: וַיֹּ֣אמֶר יַעֲקֹ֔ב אֶל־רִבְקָ֖ה אִמּ֑וֹ הֵ֣ן עֵשָׂ֤ו אָחִי֙ שָׂעִ֔ר וְאָנֹכִ֖י אִ֥ישׁ אָבִ֔י וְהָיִ֥יתִי בְעֵינָ֖יו כִּמְתַעְתֵּ֑עַ וְהֵבֵאתִ֥י עָלַ֛י קְלָלָ֖ה וְלֹ֥א בְרָכָֽה „Siehe, mein Bruder Esau ist ein haariger Mann, während ich ein glatter Mann bin. Vielleicht wird mein Vater [der blind ist] mich berühren, und ich werde ihm als Betrüger erscheinen, und ich werde über mich einen Fluch und keinen Segen bringen.“

Jetzt aber bemerkt der Gaon von Wilna ein Wort in Yaakovs Bitte: „Vielleicht wird mein Vater mich berühren und entdecken“. Wenn Yaakov wirklich befürchtet  hätte, entdeckt zu werden, sagt der Gaon, hätte er nicht das Wort „vielleicht“, sondern „damit nicht“ (פן, ולא אולי) mein Vater mich berührt“ verwendet.

Und der Wilnaer Gaon folgert: An der Verwendung des Wortes „vielleicht“ erkennen  wir, dass Yaakov Avinu zwar seiner Mutter folgen  wollte, tief in seinem Herzen aber wollte er nicht täuschen und hoffte, von seinem Vater entdeckt zu werden.

Von dem Propheten Micha wird  Jaakov Avinu als Träger der Wahrheit beschrieben; „Titen Emet LeYaakov“ תתן אמת ליעקב.

Vielleicht sollte der Begriff in „Wilnaer Versprecher“  umbenannt werden?

Schabbat Schalom und einen guten Monat Kislew!

Rabbiner Chaim Michael Biberfeld